Herausragende Virtuosität und Improvisationsfreude
Johannes Tonio Kreusch beim Auftakt des "Global Strings"-Festival in Mannheims Alter Feuerwache
Johannes Tonio Kreusch hat sie zuhause gelassen, die Musik von Johann Sebastian Bach, von Heitor Villa-Lobos
oder Alberto Ginastera. Der Gitarrist spielt eigene Werke, gestaltet seinen Auftritt beim neunten
"Global Strings"-Festival in der Mannheimer Feuerwache als Abend "zwischen Komposition und Improvisation".
"Musik", sagt er, "entsteht immer im Moment."
Dem mögen andere, klassisch ausgebildete Gitarristen - Johannes Kreusch studierte am Salzburger Mozarteum
und an der New Yorker Juilliard School, unterrichtet an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität -
durchaus zustimmen. Aber die aufgeschlossene Freigeistigkeit und Neugier, mit der Kreusch sein virtuoses Spiel
beseelt, sucht ihresgleichen. Neben Werken wie "From Far" oder "Times Of Joy", die mit verschiedenen
Skordaturen und teils mit präparierter Gitarre gespielt werden, ist "Panta Rhei", "Alles fließt" also, ein
gutes Beispiel seiner Schaffenskraft: Ein feingliedriger musikalischer Streifzug, der abendländische Etüden-Kunst
über warme Spannungsbögen zu Klängen führt, die einer indischen Sitar, dann chinesischer Guzheng entlockt scheinen.
Das ist Weltmusik, wenn man so will, allerdings keine, die einem unbedingten Kalkül zu musikethnologischer Sammelwut
entspringt. "Panta Rhei" gleitet vielmehr wie Wasser dahin, das durch die natürlichen Windungen eines Flusslaufes
rinnt, dabei die Geschwindigkeit verändert, Wirbel bildet, mannigfaltige Landschaften passiert und diese in immer
neuer Gestalt reflektiert. Grandios!
Martin Vögele, Mannheimer Morgen 22. Mai 2010
|