|
Gemeinsam mit dem Trompeter Markus Stockhausen lässt Kreusch mit "Panta Rhei" vor uns
die Stille neu tönen...
(Applaus)
Johannes Tonio Kreusch ist eine musikalische Ausnahmeerscheinung. Mit Anfang 30 hat der
klassisch ausgebildete Gitarrist mit der gleichen Professionalität und
Überzeugungskraft sowohl Bach und Villa-Lobos als auch klassischen Flamenco,
zeitgenössische und indisch inspirierte Musik aufgenommen. Nun wendet er sich erneut
unbekanntem Terrain zu. "Panta Rhei" spannt einen Bilderbogen von Klängemälden
voller Wärme, Intimität und Ausdruckskraft. Kreuschs dichtes, perkussives Spiel und
Markus Stockhausens Improvisationen auf Trompete, Piccolo-Trompete und Flügelhorn
ergänzen sich zu Dialogen, die trotz ihrer Virtuosität und ihres Spannungsreichtums
expressive Kraft und meditative Ruhe ausstrahlen. Durch den dezenten Einsatz von
präparierter Gitarre und anderen Effekten werden die Klangräume zusätzlich
erweitert, ohne Klarheit und Reinheit der beiden Stimmen zu durchbrechen. Ein Album von
puristischer Schönheit, einem bemerkenswerten musikalischen Geschmack und großer
magischer Kraft.
(JAZZTHING)
Auch ein klassischer Musiker muss beweglich bleiben und aufgeschlossen für Neues, wenn
er will, dass sein Spiel lebendig bleibt. Einer, dem man ganz gewiss nicht vorwerfen kann, in
Routine und festem Repertoire zu erstarren, ist der Gitarrist Johannes Tonio Kreusch... Schon
Kreuschs frühere Einspielungen mit zumeist fremden Kompositionen waren ruhige,
introvertierte Juwelen der marktschreierischen Musiklandschaft. Jetzt stellt er vollends
kompromisslos seine makellose Technik in den Dienst einer intensiven, philosophisch wirkenden
Musik.
"Panta Rhei"...ist ein kleines Juwel geworden...Pflichtmusik für stille Stunden.
(Süddeutsche Zeitung)
Was erwartet man von einem klassischen Gitarristen, der von der internationalen Presse
einhellig gefeiert wird und in den letzen Jahren eine Reihe exzellenter Einspielungen mit
Kompositionen von Villa-Lobos, Ginastera, Bach, Peramo u.a. vorgelegt hat? Nur all zu gern
lassen sich Kritiker und Fangemeinde mit dem bedienen, was ihren Hörgewohnheiten entspricht
und was dem Image verpflichtet ist, in das ein Musiker insgeheim gepresst wurde. Mit
"panta rhei" entzieht sich Johannes Tonio Kreusch erfrischenderweise jedweder
Erwartungshaltung und macht die Musik, die ihm besonders am Herzen liegt, seine eigene.
Schon die auf "panta rhei" verwendeten Instrumente lassen ein eindeutiges Wegordnen in eine
bestimmte stilistische Schublade nicht zu. Kreusch verwendet auf dieser CD neben seinem
klassischen Instrument auch eine Stahlsaitengitarre und ein zwölfsaitiges Instrument.
Dem Interpreten eröffnet sich so eine ganz neue Klangvielfalt, die er meisterhaft zu
nutzen weiß. Mit Markus Stockhausen hat Kreusch zudem einen kongenialen Musizierpartner
an seiner Seite, der dieses Klangspektrum mit Trompete, Piccolotrompete und Flügelhorn
virtuos zu ergänzen weiß.
Der dem griechischen Philosophen Heraklit ( ca. 550-480 v. Chr.) zugeschrieben Ausspruch
"panta rhei" (alles fließt) steht für das ewige Werden und Vergehen in der Welt.
Alles beharrende Sein beruht demnach auf Täuschung. Sinnbild hierfür ist der Fluss,
dessen Wasser ständig wechselt und der für den Betrachter doch immer derselbe bleibt.
Nach Heraklit ist die Welt der Schauplatz eines ewigen Kampfes gegensätzlicher Prinzipien,
die einander im Gleichgewicht halten und aus deren Spannung die Harmonie entsteht.
Als zwei gegensätzliche Prinzipien könnte man auch die auf diesem Tonträger
zum Einsatz kommenden Instrumente ansehen. Hier das dem menschlichen Atem gehorchende
Melodieinstrument, dort das zu räumlichen Klanggebilden fähige Saiteninstrument,
dessen kunstvoller Bedienung es eher taktilen Feingefühls bedarf. Auf der einen Seite
Johannes Tonio Kreusch, der mit seinem Instrument weite Klangräume erzeugt, auf der
anderen Markus Stockhausen, der diese mit melodischem Erfindungsreichtum und hoher
Expressivität zu füllen weiß. Aus diesem scheinbaren Gegensatz heraus
entwickeln sich ungemein spannungsreiche Dialoge, in denen beide Musiker ihre
instrumentenspezifischen Rollen immer wieder verlassen oder gar tauschen.
Selbstverständlich steht "panta rhei" aber auch für den fließenden Charakter,
der den 12 Kompositionen dieser CD zugrunde liegt. Die Kompositionen von Johannes Tonio Kreusch,
Markus Stockhausen und dem renommierten Jazzpianisten Cornelius Claudio Kreusch sind wunderbar
affektenreiche Klangemälde, bestimmt von dichten Momenten voller Ruhe und Intimität,
die weiten Raum zur Improvisation lassen.
Auch wenn es sich bei "panta rhei" um keine CD mit treibenden Beats handelt, das rhythmische
Element kommt nicht zu kurz. Besonders Titel wie "En Route", "Highlands" oder "Tender", in
denen Kreusch ostinate Figuren übereinander schichtet, verfügen über einen
pulsierenden Groove. Alle Titel, die man auf der CD zu hören bekommt, sind so auch auf der
Bühne realisierbar, denn es handelt sich hierbei nicht um nacheinander eingespielte
Overdubs, sondern um in einen Sequenzers eingespielte Loops. Der ohnehin schon faszinierenden
Klangvielfalt fügt Kreusch dabei durch die Präparierung seines Instruments weitere
Facetten und eine Fülle percussiver Effekte hinzu. In manchem Moment fühlt man sich
an die Minimalmusic eines Steve Reich erinnert. Bei analytischem Hinhören kann man sich
aber auch davon überzeugen, dass selbst sehr ruhig und frei interpretiert wirkende
Stücke über einen immer präsenten metrischen Puls verfügen. Alle Agogik
führt hier nicht zu einem beliebigen Rubato, sondern verstärkt den
Spannungsreichtum des Vortrags.
"panta rhei" ist ein sehr spannendes Projekt, mit dem Johannes Tonio Kreusch seinen Ruf als
kompetenter und experimentierfreudiger Grenzgänger zwischen den Stilen untermauert und mit
dem er eine weitere Liebeserklärung an das schönste und "vielsaitigste" aller
Musikinstrumente vorlegt. Auch Fingerstyler können sich davon überzeugen, Johannes
Tonio Kreusch bedient eine Lakewood genauso kunstvoll wie sein klassisches Meisterinstrument.
(Gitarre Konkret)
|